Tobias Barke, Amiens, 19/20

 

Grundinformationen:

  • Name: Tobias Barke
  • Hochschule: Université de Picardie Jules Verne
  • Stadt, Land: Amiens, Frankreich
  • Zeitraum: 2. September 2019 bis 18. Januar 2020

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Für den Aufenthalt nützliche Links:

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Belegte Kurse:

Kurstitel
Kurssprache
BA/MA
ECTS
Beschreibung
FLE Culture Langue Französisch BA 4 Französische Kultur und Gesellschaft
FLE Langue Culture Französisch BA 4

Französisch als Fremdsprache

EC 351 Civilisation GB/US Englisch BA 3

Geschichte der USA nach dem 2. Weltkrieg

EC 320 Economie Französisch BA 3

Einblick in die französische Wirtschaft und in Makroökonomie

UE 9 Management des Organisations et Ressources Humaines Französisch BA 3

Analyse verschiedener Unternehmensprozesse und der Aktivitäten des Managements

UE 2 Management Environnement Informatique et Numérique Französisch BA 3

Excelkurs auf Französisch

EC 311 Communication en Milieu Professionnel Englisch BA 1

Business English und Behandlung von möglichen Problemen im Beruf

EC 330 Europe Französisch BA 3

Politische Geschichte Europas seit dem 2. Weltkrieg

EC 352 Civilisation Allemand Deutsch/Französisch BA 3

Einblick in die deutsche Wirtschaft aus französischer Perspektive

EC 341 Version Anglais Französisch BA 3

Übersetzung vom Englischen ins Französische

UE 5 Langue Grecque 1 Französisch BA 3

Einsteigerkurs für Altgriechisch

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Bewerbungsverfahren an der Hochschule:

Wenige Wochen nachdem man den ERASMUS Platz in Amiens erhalten hat, sendet einem die Universität in Frankreich eine Mail, in der alle für die Bewerbung benötigten Dokumente aufgelistet werden. Ich hatte die Mail Anfang April erhalten, bis zum 15. Juni lief die Bewerbungsfrist. Wichtig ist, dass die Dokumente per Post an das International Office in Amiens geschickt werden müssen und man seine Bewerbung dementsprechend rechtzeitig fertigstellen sollte. Zunächst wird man aufgefordert, online eine Bewerbung auszufüllen, in der man hauptsächlich Angaben zur eigenen Person, zu seinem Studium und zu seinen Sprachkenntnissen machen muss. Diese muss dann ausgedruckt und von einem selbst und vom International Office in Magdeburg unterschrieben werden. Das nächste Dokument ist das eigene Learning Agreement. Leider ist es nicht ganz einfach, konkrete Kurse auf der Webseite der Universität zu finden, aber das ist nicht allzu schlimm, weil ihr vor Ort noch genug Zeit haben werdet, Kurse zu finden, auszuprobieren und gegebenenfalls noch eine andere Wahl zu treffen. Wichtig ist nur, dass ihr am Ende mit euren Kursen zufrieden seid und eure Studiengangsleitung mit eurer Wahl und euren eventuellen Änderungen einverstanden ist. Ich würde euch übrigens empfehlen, möglichst nur Kurse von einer einzigen Fakultät zu wählen. Das macht das Erstellen des Stundenplans deutlich leichter und angenehmer.

Ein weiteres Dokument ist eine Anmeldung für zwei Französischkurse (FLE), einer über die Sprache und einer über die Gesellschaft und Kultur. Den Besuch dieser Kurse kann ich nur empfehlen, weil sie zusammen bereits 8 CP geben und insgesamt sehr lehrreich sind. Das letzte Dokument ist der Antrag auf einen Platz in einem der Wohnheime. Diese Wohnheime sind so ziemlich der günstigste Wohnraum, den ihr in der Stadt finden werdet. Am zentralsten gelegen sind die Residenzen St Leu und Castillon, wobei St Leu im Vergleich ein deutlich moderneres Gebäude ist.

Etwa anderthalb Monate vor Beginn des Auslandssemesters erhielt ich per Mail eine Einladung zum „Stage FOU“, das ist quasi ein separater, komprimierter Sprachkurs, der in der Einführungswoche angeboten wird. Auch dieser Kurs ist sehr empfehlenswert, weil man dadurch bereits nützliche Dinge über die Sprache und die Universität lernen und gleichzeitig die anderen Austauschstudierenden besser kennenlernen kann. Obendrein erhält man am Ende noch ein schickes Zertifikat, dass die Teilnahme am „Stage FOU“ bestätigt.

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Anreise:

Amiens lässt sich per Flugzeug, per Auto, per Zug oder per FlixBus erreichen. Im September bin ich mit meinen Eltern per Auto nach Amiens gereist, das dauert ohne größere Staus ungefähr 8 Stunden. Ich würde empfehlen, möglichst nicht in Frankreich zu tanken, denn die Spritpreise sind deutlich höher als in Deutschland. Nach den Weihnachtsferien bin ich mit dem FlixBus nach Amiens zurückgekehrt. Die Reise ist relativ günstig und kostet je nach Buchungszeitpunkt zwischen 35 und 50 Euro. Jedoch dauert die Reise insgesamt auch rund 18 Stunden (mit einem Umstieg in Paris) und ist somit etwas anstrengend zu bewältigen. Die Reise mit dem Zug wäre zwar einige Stunden kürzer, aber auch deutlich teurer als der Bus und mit mehreren Umstiegen verbunden.

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Organisatorisches

Man kann sich ein Bankkonto bei der CAF erstellen, um eine kleine Reduktion auf seine Miete zu erhalten. Ich habe das persönlich nicht gemacht, habe aber von Freunden gehört, dass man dafür definitiv einiges an Geduld mitbringen sollte, da man sich für diese Reduktion erst durch die französische Bürokratie kämpfen muss.

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Empfang an der Partnerhochschule, Einschreibung, Campus und Studienort:

In Amiens angekommen, musste man sich zuerst bei seiner Residenz und danach im International Office anmelden. Bei Fragen und Unsicherheiten war das International Office generell immer die erste Anlaufstelle, besonders Madame Dumeige und Madame Alves sind dort überaus freundlich und stets hilfsbereit. In der ersten Woche in Amiens fanden noch keine normalen Kurse statt (nur das „Stage FOU“), wodurch man die Zeit nutzen konnte, die Stadt und die anderen internationalen Studenten kennenzulernen. Zudem wurden vom Erasmus Student Network (ESN) einige Events in der ersten Woche und auch noch über den Rest des Semesters hinweg organisiert, deren Besuch sich generell sehr lohnt, um neue Leute zu treffen und die Stadt zu entdecken.

Die Kurswahl hat sich leider grundlegend anders gestaltet als in Deutschland. Eine Liste der angebotenen Kurse findet man nicht online, sondern lediglich auf ausgedruckten Aushängen an der jeweiligen Fakultät. So muss man sich die Zeiten eines jeden Kurses raussuchen und versuchen, alle Kurse zu einem Stundenplan zusammenzupuzzeln. Vorteilhaft ist, dass ihr als ERASMUS-Studierende frei Kurse aus verschiedenen Studiengängen und/oder Studienjahren wählen könnt, ihr seid nicht an die Kurse eines einzigen Studiengangs gebunden. Ebenfalls gut ist, dass ihr zu Beginn des Semesters problemlos verschiedene Kurse ausprobieren und euch dann für diejenigen entscheiden könnt, die euch am meisten gefallen. Nach der ersten Vorlesung hat man meist schon eine deutlich bessere Vorstellung der Kursthemen. Ansonsten ist ein kurzes Gespräch mit den Lehrenden auch immer eine gute Option, um mehr über den Kurs zu erfahren. Viele Lehrende freuen sich sogar über internationale Studierende. Ich hatte bis Ende September Zeit, um all meine definitiven Kurse zu wählen und musste diese dann dem International Office mitteilen.

Der Campus in Amiens ist über die ganze Stadt verteilt. So liegen die Fakultäten für Wirtschaft, Sprachen und Literatur fast direkt im Stadtzentrum, während die für Medizin und Psychologie im Süden der Stadt angesiedelt sind. Dazu gibt es mehrere Mensen, die meiner Meinung nach jedoch nicht so gut sind wie in Magdeburg.

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Studium an der Partnerhochschule:

Da man in den meisten Kursen in Amiens nur 3 CP erlangen kann, hat man mehr Kurse als in Magdeburg üblich. Dafür umfassen die einzelnen Kurse auch weniger Stoff, der Lernaufwand ist also trotz ein paar stressiger Phasen definitiv akzeptabel. Meistens sind die Fächer in Blöcken von 60 oder 120 Minuten angelegt, bei letzterem wird gerne nach der Hälfte eine kurze Pause gemacht. Regelmäßige Anwesenheit wird generell erwartet, teilweise zählt die Anwesenheit sogar mit in die finale Note rein. Unterlagen und Infos werden je nach Lehrperson entweder während des Unterrichts ausgeteilt, diktiert oder per Mail an die Studierenden geschickt.

Es werden ein paar englischsprachige Kurse angeboten, in denen man sich relativ leicht ein paar CP verdienen kann, da das Fremdsprachenniveau nicht allzu hoch ist. Die meisten Kurse sind jedoch auf Französisch. Glücklicherweise hatten fast alle Lehrenden, die ich hatte, eine klare Aussprache, sodass ich den Kursen relativ gut folgen konnte. Es ist jedoch relativ schwer gewesen, zuzuhören und sich gleichzeitig Notizen zu machen.

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Prüfungen:

In Frankreich ist man großer Fan von Zwischenprüfungen, die ungefähr nach der Hälfte des Semesters stattfinden. Diese werden meist nur mündlich ein paar Wochen vorher angekündigt, weshalb regelmäßige Anwesenheit wirklich wichtig ist. Am Ende des Semesters folgen dann die finalen Prüfungen relativ schnell hintereinander. Insgesamt hatte ich zehn Prüfungen, bei denen von Multiple Choice über Übersetzung bis hin zu einer Karikaturanalyse alles dabei war. Auch wenn es natürlich schwerer ist, die Prüfungen in einer anderen Sprache zu schreiben, so fand ich eigentlich alle Prüfungen mit ausreichend Vorbereitung mehr als machbar. Es war mir immer erlaubt, ein Wörterbuch zu benutzen. Generell haben die Lehrenden sehr viel Verständnis für die Erasmus-Studierenden gezeigt.

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Wohnen, Nahverkehr, Freizeit und Alltag:

Am günstigsten wohnt es sich in den bereits erwähnten Wohnheimen, dort beträgt die Miete rund 255€ pro Monat. Die Zimmer sind relativ klein, aber zumindest hat man Privatsphäre, einen Kühlschrank und ein eigenes Bad. In meiner Residenz, St Leu, konnte man sich gegen einen kleinen Aufpreis Bettzeug und Bettwäsche kaufen. Pro Etage gibt es eine Küche, jedoch muss man sich sämtliche Küchenutensilien selbst beschaffen. Ich würde empfehlen, wenigstens grundlegende Dinge wie Gabel, Messer, Löffel und Tasse von zu Hause mitzubringen, den Rest kann man sich in Absprache mit den anderen Erasmus-Studierenden vor Ort kaufen oder vom ESN ausleihen. Die Residenzen St Leu und Castillon haben eine hervorragende Lage direkt in der Stadt, fast alles lässt sich zu Fuß erreichen. Wer jedoch keine Lust auf die Residenzen hat, kann sich auf Seiten wie leboncoin.fr nach Wohnungsangeboten umsehen.

Wer nicht laufen will, kann in Amiens den Bus nehmen. Samstags ist der sogar gratis. Die meisten Dinge kann man in Amiens aber problemlos zu Fuß erreichen. Wer etwas entspannen will, kann einen entspannten Spaziergang im Parc Saint-Pierre unternehmen oder in aller Ruhe den Anblick der Kathedrale genießen. An einem schönen Tag kann auch ein Besuch der Hortillonnages nicht schaden. Lust auf Kultur? Der Eintritt in das Maison de Jules Verne ist für Studierende unter 25 kostenlos. Wer Theater mag, wird in der Comédie de Picardie sicher auf seine Kosten kommen.

Allgemein ist Amiens eine Stadt mit einem sehr großen kulturellen Angebot, jede Woche steht etwas Neues an. Auch das Nachtleben ist sehr ausgeprägt: In der Stadt gibt es zahlreiche Bars wie das „9¾“ oder das „My Goodness“. Clubs sind kostenlos, lediglich für die Garderobe muss man zahlen. Jede Woche gibt es Tanzabende, Sprachcafés und andere sehenswerte Events. In meiner Zeit dort war mir wirklich nie langweilig, es ist immer für alle etwas dabei.

Wer mal aus Amiens heraus will, kann z.B. Paris, Lille oder Saint-Valery-sur-Somme besuchen. Für Reisen mit dem Zug kann ich die „Carte TER Hauts-de-France -26“ empfehlen. Dieses Ticket kostet nur 15 Euro, ist ein Jahr gültig und gibt euch Rabatt auf jedes gekaufte Zugticket. Kaufen könnt ihr es einfach am Bahnhof.

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Warum eignet sich die Universität besonders für CE-Studierende?

Die Universität in Amiens bietet sich vor allem für Studierende an, die sich in Richtung Kulturwissenschaften oder Wirtschaft spezialisieren wollen. Das Kursangebot ist interessant und vielseitig, für jeden ist etwas dabei. Zudem bietet die Universität einen guten Einblick in die französische Kultur. Die Lehrenden haben viel Verständnis für internationale Studierende und sind bei Problemen stets hilfsbereit.

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Fazit:

Der Auslandsaufenthalt in Amiens hat mich definitiv sehr positiv bereichert. Die Stadt hat wirklich für alle etwas zu bieten und ich kann nur empfehlen, Amiens einmal selbst zu erkunden. Für mich war allein schon die schiere Menge an kulturellen Veranstaltungen schlichtweg beeindruckend. Obendrein hat Amiens ein paar wunderschöne Straßen und Gebäude zu bieten. Am schönsten war es für mich jedoch, all die anderen Austauschstudierenden kennenzulernen und mit ihnen das Semester zusammen zu erleben. Auch die Franzosen und Französinnen habe ich als überwiegend freundlich und hilfsbereit wahrgenommen. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, aber solange man zumindest versucht, französisch zu sprechen, sind alle wirklich sehr nett. Das Wetter ist mit viel Wind und regelmäßigem Regen etwas gewöhnungsbedürftig, aber es bleiben glücklicherweise genug sonnige Tage für Unternehmungen.

Insgesamt kann ich Amiens als Stadt nur weiterempfehlen. Wer ein wenig von der französischen Kultur kennenlernen will, ist hier genau richtig. Ich konnte dort ein wundervolles Semester verbringen und werde sicher noch öfter in die Stadt zurückkehren.

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Letzte Änderung: 29.05.2020 - Ansprechpartner: MA Carsten Kullmann